20.12.2000 Papier herstellen

(aus: DIE RHEINPFALZ vom 20.12.2000)
Aus Milchtüte wird zuerst Matsch und dann Papier

ROCKENHAUSEN: Schüler der Anne-Frank-Grundschule recyclen Kunststoff-Verpackungen – Projekttag soll sensibilisieren

Von Ulrike Angne

Ein bunter Brei aus Papierresten steht auf der zusammengestellten Pult-reihe im Klassenzimmer. Auch ein großer Mixer und eine “Flotte Lotte“ sind aufgebaut. Nicht gerade appetitlich schwappt eine trübe Pampe in einer Plastikwanne. Kinder der vierten Klasse der Anne-Frank-Grundschule Rockenhausen und eine Vorschulklasse nehmen auf den kleinen Stühlen Platz. Sie haben Schnipsel ihrer leergetrunkenen Schulmilch-Packungen dabei. An diesem Morgen dürfen sie aus der zurückgewonnenen Zellstofffaser selbst Papier herstellen.

Erst einmal heißt es aber zuhören, und die verschiedenen Arbeitsschritte bei der aufgebauten Fabrik in Kleinformat genau zu verfolgen. Die Schule beteiligt sich an einer von der Molkerei Hochwald und Tetra Pak Deutschland initiierten Aktion “Wir machen Papier“. Dagmar von Taschitzki (Tetra Pak Deutschland) erklärt den 25 Kindern die einzelnen Vorgänge. Aus welchem Material ihre Milchtüten bestehen, werden sie gefragt, und einige wissen sogar Bescheid: Plastikfolie, Pappe und Aluminiumfolie.

Jetzt werden die mitgebrachten zerrupften Packungen erst einmal eingesammelt und im Mixer mit einem ordentlichen Schluck Wasser zerkleinert. “Damit es matschig wird“, weiß ein Junge. Jetzt knattert der “Häcksler“ recht laut. Der Matsch kommt in die “Flotte Lotte“, trennt die weichen von den harten Bestandteilen. Der Zellstoffbrei wird mit Wasser vermischt und in die Wanne geschüttet. Hier dürfen die Kinder anschließend einen Rahmen mit Sieb eintauchen und sich wie die Goldschürfer betätigen. Damit das Wasser herausgepresst wird, kommt das ganze noch in eine Vakuumpumpe, die die Nässe herauszieht.

Das Papierblatt ist jetzt schon zu erkennen. Es wird auf ein Vliestuch gelegt, von einem zweiten bedeckt und mit einer Tapetenrolle plattgewalzt. Das macht den Kindern Spaß. Aber das geschöpfte Papier ist noch sehr feucht, empfindlich und zerreißbar. Ganz vorsichtig gehen die Kleinen mit ihren Plastikschürzen ausgerüstet mit dem Stück um. Es muss noch zwischen Zeitungspapier ruhen, um stabiler zu werden.

“Mein Blatt hat ein Loch“ wird festgestellt. Und manchmal sieht es so aus, als ob der etwas unvorsichtige Umgang mit dem gepressten Papier, aus Spaß am Hantieren noch mal wiederholt werden will. Braun sieht das Papierblatt aus, stellen die Kinder fest, und es sind auch noch kleine Metall- und Plastikteile in ihm zu erkennen. “Am nächsten Tag ist es trocken, dann wird es besser aussehen“, sagt Dagmar.

Die Schule nimmt seit diesem Jahr an dem von der Molkerei Hochwald und Tetra Pak angebotenen Schulmilchprogramm “Joe Clever“ teil, informiert Schulleiter Manfred Hofmann. Der Schulmilchkonsum ist rückläufig. Früher wurde in der Grundschule Frischmilch in Flaschen verkauft. Es ging viel zu Bruch und man musste besonders auf das Verfallsdatum achten. Bei der Umstellung auf Packungen hatten Eltern und Schule befürchtet, im Müll zu ersticken. Aber dem war nicht so, es wurde ordentlich sortiert. Zehn Packungen (0,2 Liter) Kakao, Erdbeer- und Bananenmilch werden in der Grundschule verkauft, Milch pur wird nicht getrunken.

Mit der “Joe Clever“-Aktion wird auch ein Beitrag zur Umwelterziehung geleistet. In speziellen Tonnen sammeln die Schulkinder ihre leeren Packungen, damit diese dann wieder verwertet werden können. Sorgfältiges Sammeln wird zudem prämiert. Die leeren Milchpackungen kommen als Tectanartikel (Aluminium und Plastik, das auch in der Baustoffindustrie als Bindemittel für Beton verwendet wird) in Form von Uhren, Spardosen und Linealen wieder zurück. Recycling wird so für die Kinder, begreifbar, sagt Dagmar.

Zum Abschluss des Projekttages “Wir machen Papier“ ist Ideenreichtum gefragt. Die teilnehmende Klasse wird malen, zeichnen oder auf dem selbst gemachten Papier einen Klassenwunsch beschreiben. Eine Jury wählt die originellsten Ideen aus, die “Joe Clever“-Aktion verspricht, den Klassenwunsch schnellstens zu erfüllen. Was genau, steht noch nicht fest.